Liebe und alternative Beziehungsarten

Was ist Liebe?

Was ist Liebe?

Ist Liebe ein Gefühl? Eine Entscheidung? Eine Handlung?
Anziehung oder ein Gefühl der Verbundenheit? Biologie oder Soziologie?

Natürlich reduziert eine eindeutige Zuordnung und die damit verbundene Abgrenzung die Komplexität, wie auch schon die binäre Aufspaltung in beispielsweise Biologie vs. Soziologie. Das ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis. Dazu kommt, dass wir alle befangen sind. Wir alle haben Ideen davon und Erfahrungen damit, was Liebe ist und was Liebe sein könnte. Daher gebe ich hier nur meine subjektiven persönlichen Ideen und Gedanken wieder – ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit oder Universalität.

Für mich besteht Liebe aus drei Teilen:
Zum einen aus einem inneren, selbstbezogenen Teil, ich nenne ihn Gefühl, zum anderen aus einem äußeren oder nach außen gerichteten Teil, ich nenne ihn Verhalten. Zudem besteht Liebe für mich aus der immer wieder getroffenen Entscheidung, diese beiden Teile – Gefühl und Verhalten – zu verbinden.

Liebe ist ein Gefühl

Wie fühlt sich Liebe, das Gefühl, einen anderen Menschen zu lieben, an? Das kann keiner so recht beschreiben, daher hört man oft: Wenn du es fühlst, dann weißt du es. Das ist leider keine besonders gute Definition. Mir ist selbst auch keine gute Definition eingefallen, daher versuche ich das Gefühl, das für mich Liebe ist, etwas genauer zu beschreiben.
Für mich heißt zu lieben, oft an den anderen Menschen zu denken, das Bedürfnis zu haben, miteinander Zeit zu verbringen, zusammen zu lachen und lange Gespräche miteinander zu führen. Außerdem ist Liebe für mich auch mit einem Gefühl der Verantwortung dem anderen gegenüber verknüpft, das heißt, ich sorge mich um den anderen und will, dass es dem anderen gut geht. Für mich hat Liebe viel mit Empathie zu tun. Es geht um das Verstehen des Anderen (und im Idealfall wird man auch verstanden). Zu lieben ist damit auch ein Stück weit riskant, denn man geht aus sich heraus. Indem man den anderen versteht, löst man die eigene Persönlichkeit in diesem Verständnis auf. Man wird also ein Stück weit zum Anderen und erkennt ihn so.
Damit ist Liebe für mich mehr als Verliebtheit oder sexuelle Anziehung. Verliebtheit (oder auch teils romantische Liebe) sind in meinen Augen mehr selbstbezogen. Der andere ist hier Projektionsfläche für Sehnsüchte, Hoffnungen und Wünsche. Man sieht etwas im anderen, das in einem selbst etwas auslöst. Man will den anderen sehen, aber man möchte vor allem auch vom anderen gesehen werden. Das soll nicht heißen, dass ich Verliebtheit nur negativ sehe! Ich bin gerne verliebt und finde auch, dass es ab und an sehr schön sein kann, verliebt zu sein. Man sollte sich nur bewusst sein, dass Verliebtheit an sich noch nichts mit Liebe zu tun hat und man den anderen eben tatsächlich durch die eigene rosarote Brille sieht.
Die Liebe als Gefühl ist für mich aber nur die eine Seite. Sie kann auch unabhängig vom Anderen, ohne dessen Gedanken, Gefühle und Handlungen mit einzubeziehen, oder genauer: Ohne Rücksicht auf den anderen existieren. Daher gibt es für mich noch eine andere Seite.

Liebe ist ein Verhalten

Wenn man jemanden liebt, will man diese Liebe auch gerne zeigen. Man will sich liebevoll verhalten und dem anderen die eigene Gefühlswelt vermitteln. Das erfordert aktives Handeln. Oder um es mit LustyGuys Worten zu sagen: I consider “love” to mean a pattern of behavior wherein the person(s) feeling “love,” consistently treats the object of their affections positively, especially when it is hard to do so.
Mir gefällt diese Definition von Liebe. Es dreht sich nicht alles um einen selbst, um die eigenen Erwartungen und Wünsche und es läuft auch nicht immer alles so, wie man es gerne hätte.
Ich denke aber, dass man, will man dem anderen das Gefühl geben geliebt zu werden, auf ihn eingehen muss. Das heißt, dass man den anderen nicht nur so behandelt, wie man selbst behandelt werden möchte, sondern so, wie der andere tatsächlich behandelt werden will. Als Beispiel die 5 Love Languages. Person A drückt Liebe durch Geschenke aus, Person B durch gemeinsam Zeit verbringen. Damit sich beide geliebt fühlen, müssen sie jeweils die Sprache des anderen sprechen.
Um es auf den Punkt zu bringen: Die Sprache des anderen lernen und in dieser Sprache zu ihm sprechen, ist auch Liebe.

Liebe ist eine Entscheidung

Liebe kann also ein Gefühl sein. Aber damit sie nicht nur ein Gefühl bleibt, muss man sich dafür entscheiden, sich liebend zu verhalten. Man drückt also Liebe im Umgang miteinander aus. Und in dieser Komponente der Liebe, der Entscheidung sich liebevoll zu verhaltenl, zeigt sich, dass die Liebe an sich beziehungsanarchistisch ist, denn die Art des liebenden Verhaltens hängt untrennbar mit dem jeweils Anderen zusammen und auch von ihm ab – und man kann die Entscheidung zu einem liebenden Verhalten auch ohne das Vorhandensein bestimmter Gefühle treffen.

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